Miteinander für München

Impuls:  Dr. Angela Reddemann

Buss- und Bettag, 21. November 2007


 Phil 2,3 „Tut nichts aus Zank oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst;“ heisst es in meiner Lutherbibel unter dem Leitwort: Leben nach dem Vorbild Christi.

Paulus drückt sich gegenüber der Gemeinde in Philippi klar aus: Zank, Eitelkeit und Ehrgeiz - Nein Danke! Sie verengen die Blickrichtung. Sie haben etwas subjektives, sie besetzen die Person.

Sind Ehrgeiz oder Ruhmsucht die Triebfeder unseres Handels, steckt garantiert das eigene oder ein Gruppeninteresse dahinter.

Ehrgeiz als Handlungsmotiv in unseren christlichen Gemeinden ist Götzendienst, der als Gottesdienst getarnt wird.

Stellen wir uns unter das Wort, merken wir: Hochmut, das passt nicht. Aber wenn sein Wort unser Herz nicht durchdringen kann, verbietet nur unsere Moral, das auszuleben. In einem Miteinander auf Augenhöhe tun wir uns dann schwer.

Das Wort, unter dem wir heute stehen wollen, enthält aber den Schlüssel zur Praxis gemeinschaftlicher Liebe: die Demut.

Miteinander - wie - sonst - in Demut! Aber wie?

Demut besaß, so die Bibel ein leader wie Moses, eine Frau wie Maria von Nazareth. Demut heißt aus der Wahrheit leben. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, sagt Jesus.

Darum lasst uns unsere Lebenswünsche als Gemeinde und Gemeinschaften, Verantwortliche und Mitarbeiter vor Jesus bringen: unseren Eifer, Enttäuschungen, Hoffnungen und Vorbehalte.

Paulus lädt die Gemeinde in Philippi ein, eine Gesinnung wie Jesus zu haben und skizziert dazu die markanten Eigenschaften des Nazareners. Sie sollen genau hinsehen, wie Jesus sich positioniere und wie Gott an ihm gehandelt hat.

Er war wie Gott, allmächtig, allwissend … aber daran hielt er nicht fest, so wirkte er auf der Erde nicht. Er erschien ganz anders: “wie ein Mensch“, „in allem uns gleich“. Wie hat sich Jesus profiliert? „Er erniedrigte sich, wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz“. Visitenkarte: Jesus Christus der Herr. Arm geboren. Arm gelebt. Elend gestorben. Von Gott erhöht.

Wenn wir alle auf Jesus, den Lebendigen schauen, und uns von seinem Blick durchdringen lassen, seine Wertschätzung spüren und in unserem Herzen ankommt: „Du bist so kostbar für mich, das ich mein Leben zu geben bereit war und real hingebe, für Dich!“ (vgl. Jes 43, 3-4) verändert sich unser Lebensgefühl, seine Liebe trägt uns und drängt uns als Geschwister zu leben.

Wer sagt, das er in ihn bleibt, der muss auch so leben, wie er gelebt hat“ (1 Joh 2,6).

Wenn Jesu Einstellungen und sein Wille uns prägen, verändert sich auch unsere Haltung zu den anderen. Die Stärken der anderen und auch die meinen sind Grund zum Dank und zur Freude: Gott ist groß! Meine Armut macht mich nicht klein, weil Gott darin stark sein will.

Ich lebe nun seit 27 Jahren in einer christlichen Gemeinschaft, sie besteht aus Männern, Frauen, Familien … meine Hausgemeinschaften waren internationalen und ich kann aus Erfahrung sagen: Die Schwächen der Anderen sind entweder Einladung zum Dienst, zum ergänzen - oder das Miteinander zerbricht. Die Fehler? - „die Liebe deckt viele Sünden zu“(1 Petr 4,8), heißt es im Petrusbrief. Verfehlungen sollten nicht unter den Teppich gekehrt werden - doch sie werden immer neu rein gewaschen im Blut des Lammes. Sie trennen uns weder dauerhaft von Gott und noch voneinander und müssen unter Christenmenschen nicht dazu führen, Respekt oder Achtung voreinander zu verlieren.

Weil wir alle unser LEBEN und unsere KRAFT allein Jesus schulden, sind wir gleich, wir können einander hochschätzen als ein Volk, das von ihm persönlich ausgelöst wurde. Wenn unser Ehrgeiz der Liebe dient, wird er zum Eifer für die Seelen, für jeden Menschen, Eifer, der das Kreuz nicht scheut und uns in der Kraft der Auferstehung miteinander hier und jetzt verbindet.

Dies Miteinander ist stärker als der Tod, es geht in Ewigkeit weiter … auch im Himmel … wie sonst?