Es gibt im Verbum Dei - beispielhaft durch die Lebensgestaltung des Gründers Pater Jaime Bonets (*1926) vorgelebt - wenig Scheu, die im Evangelium beabsichtigte unmittelbare Verkündigung des empfangenen Heilsangebotes in Jesus Christus stets neu zu erstreben. Die dafür gewählten Mittel und Pädagogik werden deshalb immer wieder im Hinblick der Eigenart der Missionarischen Fraternität und ihres eigenen Charisma angepasst.
"Ziel und Blickpunkt ist es, unter Menschen gleich welchen Geschlechts, Schicht, Rasse und sozialer Herkunft Apostel und Apostelinnen Christi auszubilden."
Initiativen des Geistes, werden auf den verschiedenen Ebenen gemeinschaftlicher Mitverantwortung geklärt.
Ist eine missionarische Initiative einmal beschlossen, wird von den Mitgliedern eine gewisse Wendigkeit verlangt, für ihre Durchführung rückhaltlos verfügbar zu sein. Die Treue zum besonderen Charisma verlangt durchgängig Klärungsprozesse, um sich auf verschiedenste Menschen einzustellen, und sie entsprechend zu fördern, so daß aus ihnen Multiplikatoren
apostolischen Wirkens werden.
Fraternitäten werden kontinuierlich - nach Absprache mit den jeweiligen Ortsbischöfen - ohne großen Aufwand duch die Anmietung oder Übernahme einfacher Mietwohnungen begonnen. Das erfordert Offenheit und Anpassungsbereitschaft für die lokalen Umstände. Für die Mitglieder ist dies eine Chance, ihren Glauben selbständig umzusetzen und ihren Gehorsam verantwortlich und unternehmerisch zu leben.
Es verlangt fortwährend, tief und vor allem als Gebetsgemeinschaft verbunden zu sein. Die tägliche Eucharistiefeier, die Teilhabe am Geheimnis von Christi Tod und Auferstehung, wandelt das eigene, gemeinschaftliche und umfassende Erleben von Realität. Im Licht des Glaubens entstehen neue Bezüge. Fruchtbare Dialoge werden jenseits aller Gräben und Unterschiedlichkeiten möglich. Das ist die Chance für eine Communio - unter dem Zeichen des Kreuzes versteht sich -, in der jeder einzelne sich bemüht, durch seinen persönlichen Einsatz das Zusammenwirken innerhalb der Fraternität zu stärken.
1. Bereitschaft zur Gestaltung pionierhafter Initiativen
Die Beziehung zu Christus erschließt uns die innere Bedeutung, in seinem Geist eine Jüngerschaft zu sammeln und aufzubauen. Sie umfaßt besonders die Aufgabe, neue - unbekannte - Menschen kennenzulernen und anzusprechen, Fügungen des Heiligen Geistes zu deuten und gestalten zu lernen. Die geschwisterliche Liebe zueinander beinhaltet, untereinander die Bereitschaft dafür zu wecken und Auskunft über unsere Hoffnung zu geben.
Teil unserer gegenseitigen Verantwortung ist es, innerhalb der Fraternität und unserer Freundes- und Mitarbeiterkreise Talente und Gaben zu unterstützen und entfalten zu helfen, sowie missionarische Projekte unterschiedlicher Größenordnung zu entwerfen, für die wir gemeinsam beten, die wir gemeinsam ausgestalten und je nach Erfordernis und Befähigung durchführen.
2. Planung und Durchführung von Schulungen für die Evangelisierung
Die Fraternität Verbum Dei bietet ihren Mitgliedern Freiräume für den Aufbau und die Ausdrucksmöglichkeiten des Apostolates. Ziel ihrer Lebensform und ihres Einsatz ist es, die missionarische Berufung eines jeden Christen entfalten zu helfen. Die Alltagswirklichkeit von Singles, Eheleuten und Familien wird durch unterschiedliche Kreise und darauf abgestimmte Begleitung aufgefangen. Deshalb bietet man denjenigen weiterführende Schulungsmöglichkeiten an, die sich angesprochen fühlen, selber als ApostelIn bzw. GlaubensbotIn zu wirken. Als multiplikatorisch wirkende Christen werden sie begleitet, ausgebildet und unterstützt, sich in den enstehenden Kernkreisen von Verbum Dei selber als Stütze einzubringen.
Jeder Christ soll die Chance haben, den missionarisch-apostolischen Grundauftrag der Kirche wahrzunehmen. Dabei wird auf die ursprüngliche Form, die christliche Botschaft hören zu können, der ausschließliche Schwerpunkt gesetzt: "die persönliche Weitergabe der christlichen Botschaft."
Zeugnis besagt zum einen, daß man nicht von selbst auf die christliche Botschaft verfällt: Die Initiative für die Weitergabe der Botschaft liegt beim Zeugen. Zum anderen stellt der Zeuge nicht nur einen Sachverhalt dar. Zeugnis bedeutet, daß sich der Zeuge mit seiner Person für seine Botschaft einsetzt und sich mit ihr identifiziert. Der Anknüpfungspunkt für die christliche Botschaft liegt also nicht nur
in einem religiösen Bedürfnis der Menschen, sondern darin, daß der Zeuge sich selbst als Berufener, als Gesandter versteht, der für diese Botschaft eintritt. Zeugnis
zu geben gehört also wesentlich zur christlichen Botschaft. Der Glaube unterscheidet sich dadurch von einer Illusion, daß sich im voraus zur jeweiligen Stellungnahme des Angesprochenen "andere Menschen mit einer solchen Botschaft identifizieren."
Ist Mitte und Ziel christlicher Glaubensverkündigung die Kommunikation Gott - Mensch - Mitmensch aufgrund der Botschaft Jesu von Nazareth, mit dem sich die Schrift "erfüllte", so stellt das biblische Zeugnis den Rahmen.
3. "Multiplikatorisches Wirken", ein biblisches Prinzip: Der Glaubensverkünder besorgt die Ausbildung eines neuen Mitarbeiters in der Verkündigung
Mit dem II. Vatikanischen Konzil wurde innerhalb der Katholischen Kirche das Zeitalter einer "belehrenden Kirche" abgelöst durch den Anbruch des Zeitalters einer Kirche der Zeugen. Zeuge zu sein ist jedem Christen gegeben. Das Martyrium der Urchristen durch ihr Wort und Lebenszeugnis - bis zur Hingabe des eigenen Lebens, wenn dies gefordert wurde, ist Ansporn für die Verbreitung und Ausbreitung der Jungen Gemeinde. Zeugen vermitteln durch ihr ganzheitliches Eintreten für Gott einen Zugang zu einem Leben in der Heilserwartung.
Im Kontext biblischer Heilserfahrung wird darin die Form erkennbar, mit der Gott an seinem Volk von jeher gehandelt hat: durch Vermittler.
Der Schöpfergott des Alten Bundes bezieht von Anfang an den Menschen und seine Arbeit, seinen Einsatz in die Fortsetzung und Vollendung seiner Schöpfung mit ein. Der Gott des Alten Bundes beschützt, führt und leitet sein Volk - aber er tut dies durch die Ansprache konkreter Menschen. Er verspricht, immer zur Stelle zu sein. Aus einem Wort Jhwhs zu seinem Volk spricht die Erfahrung vom unerschütterlich treuen und unbeirrbar mitgehenden Gott: "Fürchte dich nicht, ich bin mit dir." Auf besonders eindringliche Art spricht der Prophet Jesaja von der Einladung und Werbung Jhwhs, seinen hehren dæræk einzuschlagen, damit die Rückführung möglich wird. Gotteserfahrung wird für Israel zu einem heilsgeschichtlichen Unterwegssein mit Gott. Auf diesem Weg lernt es das unbedingte Vertrauen zu Gott, die Bereitschaft, sich auf Gottes Willen einzulassen. Durch den Bund ist ein persönliches Gemeinschaftsverhältnis mit JHWH begründet worden.
Weil JHWH sein Volk führt und lehrt, gewährt er den Menschen Anteil an der Erfüllung seiner göttlichen Zusage(n).
Jhwh setzt bestimmte Menschen in Bewegung, indem er ihnen seinen konkreten Willen kundtut und ihnen eine dialogische Beziehung anbietet, im Rahmen derer sie den nächsten Schritt selbständig - mit Gottes Hilfe - auszudeuten vermögen. "Jhwh geht nicht nur selbst, sondern läßt auch andere gehen. (...) Räumlich als Leitung und moralisch als Hilfe (...) aber auch als Strafe." Wie Abraham aus Chaldäa hat Jhwh sein Volk aus Ägypten ins Gelobte Land 'geführt'. Dieses Grunddogma zieht sich durch die Geschichte Israels. Die Wegbegleitung in die Freiheit ist das Hauptthema des Bundes, vor allem in der Erzählung von der großen Wanderung, dem Buch Exodus. Jhwh beauftragt dazu Mose:
"Geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!" Mose "muß aber erst von Gott aus seiner Schuld und seinem Minderwertigkeitsgefühl, seiner Angst und seinem Mißtrauen zu seinen wirklichen Fähigkeiten begleitet werden, bevor er zum Begleiter seiner Landsleute taugt" und Gottes Auftrag umsetzen kann. Mose äußert Jhwh gegenüber immer wieder seine Bedenken und Zweifel: "Wer bin ich, daß ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? (...) Ich bin keiner, der gut reden kann." Schließlich stellt ihm Jhwh Aaron zur Seite:
"Hiermit mache ich dich für den Pharao zum Gott; dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein. du sollst alles sagen, was ich dir auftrage; dein Bruder Aaron soll es dem Pharao sagen, und der Pharao muß die Israeliten aus seinem Land fortziehen lassen."
Die Erfahrung der 'Überforderung' als Konsequenz seines treuen Einsatzes mag paradigmatisch für jede ernsthafte pastorale Unternehmung stehen. "Mose sprach zum Herrn: 'Warum handelst du an deinem Knecht so übel? Warum fand ich keine Gnade in deinen Augen, da du die Sorgenlast für dieses ganze Volk auf mich gelegt hast? Habe ich es etwa geboren, daß du mir zumutest, ich soll es an meiner Brust tragen wie der Pfleger den Säugling, in das Land, das du eidlich seinen Vätern versprochen hast?" Mit der Figur des Mose begegnen wir einem religiösen Führer, der dies in einem unablässigen Dialog mit Jhwh tut. So wird er befähigt, Jhwhs pastorale Methode tief zu verstehen und umzusetzen. "Da sprach der Herr zu Mose: 'Rufe mir siebzig Männer von den Ältesten Israels zusammen, von denn du weißt, daß sie Älteste des Volkes und seine Aufseher sind! Bringe sie mit dir zum Offenbarungszelt; dort sollen sie sich neben dir aufstellen. Ich komme herab und rede dort mit dir und werde von dem Geiste, der auf dir ruht, nehmen und etwas auf sie legen. Sie werden dann mit dir an der Last des Volkes tragen, und du brauchst sie nicht mehr allein zu tragen."
Diese Form, multiplikatorisch zu arbeiten, findet auch in der Gestalt Jesu ihre Fortsetzung. Jesu Wirken in Galiläa beginnt mit der Suche nach geeigneten Menschen, die fähig sind, die Botschaft der Gottesherrschaft und die Gnade dieser Kraft in sich aufzunehmen und ihr entsprechend zu handeln. So sammelt Jesus einen Kreis von Jüngern, die mit ihm das Reich Gottes verkündigen sollen. Er lehrt sie und begleitet seine Wortverkündigung mit Wundertaten.
Er hat seinen Jüngern den Geist vermittelt, durch den sie die gleichen Werke (vielleicht größere) angehen können. Nicht durch die Entscheidung der Betroffenen, sondern durch Jesu eigene Entscheidung wird jemand JüngerIn. JüngerInnen Jesu sind alle, die die Möglichkeit haben, das Reich Gottes, d.h., das vom Geist Gottes erfüllte Reich zu verkündigen und in aller Welt als frohe Botschaft zu verbreiten. Nachfolge Jesu ist im Grunde genommen "die Einbeziehung der Jünger in sein Wirken, die Teilhabe an der Verkündigung der Gottesherrschaft ihr primäres Kennzeichen."
Dieses multiplikatorische Zzusammenwirken ist heute genauso möglich wie damals zu der Zeit Jesu. Dies will die Gemeinschaft Verbum Dei anhand ihres Zusammenlebens in geschwisterlichen Fraternitäten anschaulich begreifbar machen.
2. Die Botschaft vom angekommenen "Reich Gottes" als absolutes
Strukturmoment für die Missionarische Fraternität Verbum Dei
Grundlegend für evangeliumsorientierte Glaubensverkündigung - noch vor der Diskussion über Aufgaben, Kompetenzen und Methoden einer missionarischen Pastoral ist das bewußte Vorleben des Reiches Gottes. Theologische Deutungen der Reich-Gottes-Verkündigung können durch meditative Verinnerlichung Ursprüngliches wieder neu verstehbar machen. Reich Gottes als eine urgemeindliche Zelle, die lebt und erlebt, wie das Reich Gottes schon mitten unter ihnen (in aller menschlicher Gebrochenheit) greifbar wird, ist ein unumstößliches und nicht weginterpretierbares Faktum. Faktisch bedeutet das ein intensives und offenes Kommunikationsunternehmen: im Geist und aus dem Geist des Evangeliums in Gütergemeinschaft, ohne Grenzen von Klassen, Rassen und Ständen miteinander zu leben.